Meine Reise nach Kreta – Preis der Elisabeth-Lebek-Stiftung

Lange ist es schon her – Im Jahre 2020 habe ich am Certamen Carolinum in der Sprache Latein teilgenommen. Mit meinem Vortrag zum Thema „Ikarus – ein Kind wird flügge“ habe ich in der Endrunde den Preis der Elisabeth-Lebek-Stiftung gewonnen: Eine Reise, um das antike archäologische Erbe näher kennenzulernen. Natürlich habe ich mich unglaublich gefreut über diesen Preis; zu der Zeit war jedoch die Corona-Pandemie in vollem Gange, wodurch ich die Reise erst einmal nicht antreten konnte. Hiernach kamen meinen Reiseplänen auch noch mein Jahr im internationalen Jugendfreiwilligendienst, die Führerscheinausbildung, mein Studium im Ausland und ein Studentenjob dazwischen. In diesen Semesterferien hatte ich jedoch endlich die Zeit, die lang ersehnte Reise anzutreten – und so bin ich am 11. September zusammen mit meinem Bruder vom Flughafen Düsseldorf aufgebrochen.
Passend zu meinem Vortragsthema „Ikarus – ein Kind wird flügge“ habe ich mir als Reiseziel Kreta ausgesucht – die Insel, auf der Dädalus von König Minos festgehalten wurde, und von wo er mit dem Flug zu fliehen versuchte, der Ikarus zum Verhängnis wurde.

Kreta hat eine lange, bewegte Geschichte, von denen die v ielen Ausgrabungsstätten auf der Insel zeugen. Die wohl bekannteste davon ist die beim Palast von Knossos, von wo aus König Minos über sein Reich geherrscht haben soll und die der Schauplatz vieler altgriechischer Sagen ist. An unserem zweiten Reisetag haben wir hierhin eine geführte Tour unternommen, bei der wir nicht nur die rekonstruierten Ruinen des Palastes bestaunen durften, sondern auch jede Menge Anekdoten und Wissenswertes von der Touristenführerin erfuhren. Besonders interessant fand ich zum Beispiel, dass man heutzutage davon ausgeht, dass Minos kein Name für eine einzige Person – ob nun real oder nicht – gewesen sein soll, sondern vielmehr eine Art Hoheitstitel, den die Könige von Knossos in der minoischen Zeit trugen, ähnlich wie der Pharaonentitel im alten Ägypten.
Auch die Ausgrabungsstätte von Malia haben wir besichtigt, wo die Ruinen des minoischen Palastes zu sehen waren. Diese waren etwas weniger gut erhalten – an den meisten Stellen war nur noch der untere Meter der Mauern erhalten. Allerdings konnte man daran sehr anschaulich den sehr komplexen Aufbau der Palastanlagen aus der Zeit erkennen: Diese waren nämlich nicht nur ein besonders prächtiges Wohngebäude für den König, sondern enthielten auch verschiedene Geschäfte, Räumlichkeiten für religiöse Praktiken, andere Wohnräume und Lagerräume – kurzum: sie waren sozusagen eine Mini-Stadt konzentriert in einem Gebäude.

Ein weiteres Highlight war das archäologische Museum in Heraklion, der Hauptstadt der Insel. Hier wurde eine beeindruckende Menge verschiedenster, oft gut erhaltener Fundstücke aus den Ausgrabungsstätten der Region, unter anderem auch denen von Knossos und Malia, ausgestellt: Statuen und Vasen, Kochtöpfe, Geschirr, Werkzeuge, Siegel und sogar ein antikes Brettspiel konnte man sich dort anschauen und so einen Einblick in das Alltagsleben der Menschen in der Antike und davor erlangen. Auffällig fand ich, wie ähnlich das Leben damals in gewisser Weise dem von heute bereits war: Auch damals gab es schon Kochtöpfe, Schmuck, Gesellschaftsspiele, Statussymbole und Verwaltungsjobs, wie man an weichen Steinen sieht, auf denen mit Stempeln über An- und Verkäufe Buch geführt wurde. Bei manchen Kochtöpfen und Schmuckstücken hätte ich zum Beispiel durchaus glauben können, dass sie aus der Zeit meiner Großeltern stammen, hätte ich es nicht besser gewusst.
Neben den Relikten aus der Antike bietet Kreta auch malerische Naturlandschaften und viele schöne, geschichtsträchtige Städte, von denen wir ein paar besucht haben.

Eine davon ist Agios Nikolaos, eine malerische Hafenstadt an der Ostküste Kretas. Nach unserer Ankunft dort sind wir erst einmal etwas durch die Gassen der Stadt spaziert und haben uns den venezianischen Hafen angeschaut. Von dort aus sind wir mit dem Schiff weitergefahren nach Spinalonga, einer kleinen Insel, auf der zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Leprakranken untergebracht wurden. Hier haben wir auch an einer Führung teilgenommen, in der wir mehr über die Geschichte der Insel erfahren haben: Von der Entstehung der ersten Siedlung dort in der venezianischen Zeit über die osmanische Zeit bis hin zu ihrer Zeit als Leprakolonie.
Alles in allem war die Reise nach Kreta für uns unvergesslich und sehr vielseitig: Wir haben nicht nur viel Neues über die Geschichte der Insel – von der Frühzeit über die Antike bis ins 20. Jahrhundert – erfahren, sondern auch die lebendige kretische Kultur kennengelernt und die malerische Landschaft erkundet. Mein herzlicher Dank gilt der Elisabeth-Lebek-Stiftung, die uns dieses besondere Erlebnis ermöglicht hat.